Gül|le|ried

Gülle, auch Jauche oder Mist genannt, gehört zur bäuerlichen Landschaftspflege. Es ist ein natürlicher, nachwachsender Dünger, reich an Stickstoff, Phosphat und anderen für Mikroben leckere Nährstoffe. Es könnte ein perfekter Kreislauf sein. Wasser und Nährstoffe verbleiben auf dem Hof. Gülle bedeutete ursprünglich dann auch Lache oder Pfütze. Es handelte sich also um übersichtliche Mengen. Inzwischen fällt die Pfütze etwas grösser aus. 

Der Dreck muss weg, das wussten auch schon die alten Römer und errichteten flugs eine praktische Rutsche, über die Abfälle und Abwasser entsorgt werden konnten. Deckel auf, Dreck rein, Deckel zu. Fertig. Es ist wie beim Körperausgang vieler Lebewesen, bspw. Vögel: Über die Kloake wird entsorgt. Die Cloaca maxima der Römer war ursprünglich als Entwässerungssystem der römischen Senke gedacht. Praktisch, dachten sich die Römer. Frisches Wasser kommt in die Stadt und Abwasser spült es auch mit fort. Sehr bequem. Was den Römer entzückte, freut auch den intensiv wirtschaftenden Bauern.

Ein Ried ist eine feine Sache, alles fliesst. Gräben sammeln überschüssiges Wasser, die Gräben führen in die Kanäle und in die verlässlich Gebirgswasser führenden Fliesse und die enden - zumindest hier - im Bodensee. Der Bodensee ist eh viel zu sauber, so klagen die Fischer. Mehr Dreck braucht der Bodensee, damit die Felchen spriessen (eine regionale Fischdelikatesse). Gerne, dachte sich der Bauersmann, dann machen wir das auf die römische Art. Wir pumpen fleissig Gülle ins Ried, denn das überflüssige Abwasser wird komfortabel dorthin expediert, wo es offenbar dringend gebraucht wird.  

Nun ja, mit den Moorwiesen ist das so eine Sache. Eigentlich reicht die Stickstoffmenge, die durch Regen aus der Luft jährlich eingewaschen wird, völlig aus (landwirtschaftskammer.de). Da braucht es überhaupt keine Gülle mehr. Pflanzen werden dadurch anfälliger für Schädlinge. Kräuter magerer Wiesen verschwinden. Gute kräuterreiche Alpenmilch? Sicher nicht hier. Der Riedboden kann gar nicht so viel Phosphat und Stickstoff ausschwemmen, wie Mist herangekarrt wird. Erst recht hilft da auch kein Unterpflügen von Mist oder das direkte Abpumpen am Uferrand von Bächen. Aber das würden Bauern ja nie machen.