Ja|pan|knö|te|rich

Wir müssen über invasive Arten reden. Es gibt Pflanzen, die gehören nicht hierher. Mopsfidel breiten sie sich aus. Geräuschlos, wie Pflanzen nun einmal sind, erobern sie scheinbar mühelos neue Räume. Im Lustigenauer Gülleried haust so ein Kraut. Immerhin recht dekorativ umgarnt ein Japanischer Staudenknöterich einen jener Strommasten, über den überflüssige Stromkapazitäten des Atom- oder Kohlestroms vom Norden her in die Berge gelangen, damit dort dank Wasserkraft sowas wie Ökostrom entsteht, der bei Bedarf abgerufen werden kann.

Dem Knöterich gefällt die Parzelle. Rund um den Masten sind die Bedingungen optimal. Geschützt vor bäuerliche Kulturpflege entfaltet sich die Pflanze in Breite und Höhe. Konkurrenzlos ist sie aufgrund der Schnellwüchsigkeit und der ausgeprägten Wurzelstöcke. Zaghafte Versuche, das invasive Kraut mit den Sense zu dezimieren, steckt diese Pflanze locker weg. Unter der Erde wurzelt sie zudem bis zu 2 m tief.

Täglich 20 cm wächst sie nach. Das ist einsame Spitze, da können andere Pflanzen nicht annähernd mithalten. Trotzdem geht der Knöterich auf Nummer sicher und breitet sein Blättermeer derart über dem Boden aus, dass darunter - mangels Licht - kein Gras mehr wächst. Das fördert dann die Erosion des Bodens. Ohne die Erde festhaltenden Gräser wird die Bodendecke bei starkem Regen fortgespült.

Ursprünglich holte man den Knöterich als Viehfutterpflanze, auch Imker freuten sich über die frühherbstliche Bienenweide. Aber die Vielfalt der Pflanzenarten leidet erheblich überall dort, wo der Knöterich auftaucht. Monatliches Mähen würde helfen, ihn langsam in die Knie zu zwingen. Allerdings mangelt es in der freien Wildbahn an Rasenfetischisten und robusten Rasenmähern. 

Zudem nisten ab und an auch Vögel in dem Dickicht. Und, eigentlich enthält der Knöterich Wirkstoffe, die es als Heilpflanze einstufen. Man könnte Tee daraus machen. Die Pflanze selbst nutzt diese Stoffe zur Pilzabwehr, so wie der Wein das auch tut. Es wird gemutmasst, dass dieser Wirkstoff - Resveratrol genannt - das Leben verlängert und Krebs wegzaubert. Aber nachgewiesen ist das noch lange nicht. Und solange kann das Kräuterlein unbekümmert expandieren.