Ver|schilf|ung

Schlechte Nachrichten für Menschen mit einfachen Weltbildern: Egal, was Du machst, es hat stets Nebenwirkungen. Du willst Artenvielfalt und Du bekommst Verschilfung. Auf Deiner tollen Ökowiese spriessen plötzlich überall die Halme des Schilfs. Dieses Süssgras ist nicht süss, aber unglaublich vital.

Mit den ca. 20 m langen Ausläufern verbreitet es sich überall dort, wo eine ehemals feuchte Wiese sich selbst überlassen wird. Na dann, freut sich der Bauersmann, dann lasst uns mal fleissig mähen. Doch so einfach ist es nicht. Moorwiesen sind wie Schwämme, sie saugen geduldig über lange Zeit all den Mist auf, der auf Wiesen gekippt wird. Aber irgendwann kippen Gewässer wie auch Böden um.

Ständig neue Nährstoffe, speziell ein zu hoher Phosphoranteil, überlasten Gewässer und Böden. Boden pflegenden Bakterien werden durch andere verdrängt. Die neuen Bakterien setzen giftige Stoffe frei. Nicht jede Pflanze kann sich dem wiedersetzen. Schilf widersteht dem gut. Und wenn dann noch am Grundwasserspiegel herumexperimentiert wird, dann kann auch die robusteste Pflanze irgendwann nicht mehr. Die Wiese beginnt zu verschilfen. 

Mähen der Wiese im Frühjahr und/oder Juli und/oder September verlangsamt die Verschilfung. In Summe ändert es leider auch wenig. Allerdings gibt es Pflanzen wie etwa Orchideen, die das Kurzfressen der Wiese benötigen. Früher besorgten das leichtgewichtige Wild- oder Haustiere, deren Hufe nicht alles plattmachten. Und, sobald Licht an den Boden gelangte, entfalteten sich die schönen Blühpflanzen und zogen sich gestärkt mit dem erneuten Überwuchern durch Gräser wieder zurück. 

Jetzt haben wir übergewichtige Rinder. Und jede Menge Schilf. Immerhin filtert das "lästige" Schilf die überflüssigen Nährstoffe aus dem Wasser. Aber, verflixt noch mal, das Schilf muss weg. Wo sind die Patentrezepte? Wir können zum Mond fliegen, aber die Wiese nebenan fügt sich uns nicht. Irgendwo gibts doch sicher Mietschafe.


Maehversuche_Verschilfung.pdf | Dokument

biotopinventar/Lustenau.pdf | Dokument