Bio|top

Einen Ort voller Leben nannten die alten Griechen einen Lebensgeraum von Viren, Bakterien, Pilzen, Pflanzen und Tieren. Sie bilden dort eine WG, eine Lebensgemeinschaft, die jene alten Griechen dann gemeinsames Leben - Biozönose - nannten.

Und, seitdem wir modernen, aufgeklärten Menschen alles in Fliessbandarbeit-gerechte Systeme einsortieren, sprechen wir vom Ökosystem - dem Haus, in dem alles miteinander verbunden ist - wenn Lebensraum und Lebensgemeinschaft gemeint sind.

Leider haben wir vergessen, was es bedeutet, wenn in einem Refugium alles miteinander verzahnt ist. Wir meinen: Ein System ist etwas, das kann man gestalten, ein wenig Kybernetik hier, ein wenig Esoterik da und los gehts. Zuerst beuten wir Biotope aus, dann entfernen wir sie und - als Krönung - schaffen wir künstliche Oasen und erteilen den Organismen den Marschbefehl hinein in die neue Parzelle.

Schlau, wie wir Menschen nun einmal sind, sortieren wir, was wir als zusammengehörig ansehen und stapeln es, wie wir es im Themenpark von Lego gelernt haben. Da freut sich der, die neue menschliche Zuwendung geniessende Eisvogel, und der wieder einmal knapp der Gülle und dem Rasenmäher entkommene Wiesenbrüter wundert sich.

Selbst Schuld. Die Grenzen zwischen Ökowiese und bäuerlichem Kulturland folgen leider den menschlichen Massstäben. Genauso wie unsere Annahmen, welche Organismen sich überhaupt riechen können, ganz zu schweigen davon, welche Bedürfnisse jene eventuell haben. So viel Zuwendung für ein System ist unüblich. Da hilft den evolutionsverliebten Kreaturen nur die rasche Mutation. Anpassungsdruck wird eben gerne durchgereicht, das ist die neue Vitalität.