He|cke

Was hat der Nachbar da schon wieder ausgeheckt. Schön, eine ziemlich giftige kleinasiatische Kirschlorbeerhecke, sehr praktisch: Faconschnitt-tolerant und quasi Insekten-frei. Vogelfrei sowieso - ach nein, das war ja was anderes. Vogel-frei ist solch eine Lorbeerkirschhecke.

Da kann eigentlich nicht einmal die Thujenhecke gegen anstinken. Denn in der nistet wenigstens noch die ein oder andere Amsel, bevor sie von einem gelangweilten Stubentiger vernascht wird.

Genauso wenig wie der Kirschlorbeer ein Lorbeer ist, verdienen Thujen und Lorbeerkirsche das Prädikat wertvoll. Aber richtige Hecken haben auch schon den Julius Caesar geärgert. Denn die stacheln und haben breit ausladende Äste, die keinen durchlassen.

Praktisch, dachten sich die Gallier und umzäunten damit ihre Felder und Gehöfte. Praktisch, dachten sich auch die Piepmätze und allerlei anderes Getier, die sich flugs dort ihre eigenen kleinen Biotope schafften. Praktisch, dachte der Bauer, dessen fruchtbarer Boden nicht mehr vom Winde verweht wurde. Praktisch dachte sich auch der Schnapsbrenner, der fleissig die Beeren einsammelte, die ihm die Vögel übrig liessen. Praktisch, dachte sich ...

Unpraktisch, dachte sich der maschinell hochgerüstete Agraringenieur und beseitigte das garstige Gestrüpp, welches seinem Traktor im Weg stand. Unpraktisch, dachten sich um Effizienz bemühte gärtelnde Laubenpieper und Grundstücksbewirtschafter, die bereits in der Schule lernten, wie wichtig Ordnung ist. Klare Kante!


Bild von Erich Westendarp auf Pixabay