A wie in Pro|pa|gan|da|ap|pa|rat

Was ist eigentlich ein "A"? Das A war schon immer gern vorn, im Phönizischen wie bei dessen Vorläufer namens pronto-semitisches Alphabet, bei Griechen, Etruskern, Römern und in allen aus dem Lateinischen hervorgegangenen Alphabeten.

Jedes Kleinkind beherrscht das A als ursprünglichsten Laut. Bis auf wenige Ausnahmen steht das A für edles und wertvolles. Von Alpha-Tier bis AAA signalisiert es erstklassiges. Nur Engländer des Mittelalters nutzten das A zur Markierung von Ehebrechern.

Bereits im alten Ägypten - etwa 1800 vor Christus - findet sich das A, damals noch als Piktogramm eines Ochsenkopfs. Damit es rasch auf Papyrus oder Keramik gebannt werden konnte, wurde es vereinfacht: Mit drei Strichen lässt sich ein A auftragen. Damals noch mit "Knacklaut" vor dem A gesprochen, wurde der Buchstabe >>'Aleph ("Ochs") genannt.

Vielleicht steht das A vorn, weil der Stier den "Erfindern" heilig war? Man weiss es nicht. Die Griechen als antike Meister des Kopierens übernahmen das Zeichen aus dem Phönizischen, gaben ihm aber den uns heute vertrauten A-Laut und verdrängten den mit dem Buchstaben verbundenen Ochsen.

Der Buchstabe wurde zudem beliebig gedreht, bis er über die Etrusker zu den Latinern kam und dort auf die uns heute vertrauten Füsse gestellt wurde. Aus Alpha wurde A, erst im Mittelalter brachten die Normannen noch einmal alles durcheinander. Seitdem können Engländer kein A mehr wie ein A sprechen, sondern nutzen die altfranzösische Aussprache.

Findigen Mönchen verdanken wir dann noch die Kleinschreibung des "a" mit dem Bauch nach links. Es liess sich so mit dem Federkiel schneller notieren. Mit dem Buchdruck wurde diese Schreibweise schleichend standardisiert, während die Aussprache mit der Zeit vielfältiger wurde. Und so finden sich auf Tastaturen viele A-Varianten, u.a. eine Variante mit dem Doppelpunkt oben, wobei der doppelte Punkt ursprünglich ein kleines "e" war.


aus Hugo Kastner "Das Alphabet", marixwissen 2018