"The electric light did not come from the continuous improvement of candles." 

Oren Harari hat das gesagt. Er war Wirtschaftsprofessor. Er hat sich damit beschäftigt, wie Unternehmensorganisationen sich wandeln können. 

Dabei dachte er nicht an die Optimierung von Prozessen und Produkten oder Services, sondern an die grossen Sprünge: Management als die Kunst des kurzfristigen planbaren Erfolgs, und Innovation als die Kunst, auch übermorgen noch erfolgreich zu bleiben. Was vielen selbstverständlich erscheint, gelingt Organisationen nur selten gut. Warum? Ein Denkanstoss zum Tag der Arbeit.

Unternehmen arbeiten seit dem 19. Jahrhundert nach einem Modell, welches eigentlich für die Fliessband-Fertigung von Massenware ausgedacht wurde. Taylor hatte nie vor, Komplexität und Innovationsfreude mit Plänen einzufangen. Er dachte da eher an die einfachen bis komplizierten Routineaufgaben. Fliessbandarbeit ermöglicht die Produktion von Massenware. Denker denken und Macher machen, was Denker sich zuvor ausgedacht haben. Und weil es sich in einer Fabrik schlecht auf Zuruf arbeiten lässt, wurden Pläne als praktikable Technik der Kommunikation eingeführt.

Gesagt, getan.

Mitte der 70er Jahre erwuchsen mehr und mehr individuelle Kundenwünsche, Massenware wurde zunehmend uncool, wenn es der Geldbeutel der Kunden hergab. Varianten und Innovationen mussten her. Nur wie. Alle hatten es sich gemütlich eingerichtet mit ihren Plänen. Projektarbeit sollte helfen, den nötigen Innovationsschub zu erzeugen. Schliesslich ist man ja mit Projektmanagement bis auf den Mond gekommen. Das war neuartig, einmalig und anspruchsvoll. Solide Ingenieurskunst eben.

Dann kamen die Daten.

Und aus komplizierten Dingen wurden schnell komplexe Zusammenhänge. Die Welt wuchs zusammen, vernetzte sich und überall waren Daten im Spiel. Eine neue Technologie namens Computer brachte reichlich Daten und die Digitalisierung. Das wiederum brachte viele erfolgreiche Unternehmen an ihre Grenzen. Ressourcen sind ein knappes Gut und die neuen Technologien schufen eine Vielfalt an Möglichkeiten, sich als Unternehmen weiter zu entwickeln. Nur was ist der richtige Weg?

Wir brauchen ein Portfolio.

In den 90er Jahre wurde es normal, als Unternehmen ein Projektportfolio zu verwalten. Die Initiierung von Vorhaben wurde dabei mit der Zeit genauso gnadenlos standardisiert wie deren Planung und Steuerung. Das führte zu einer neuen Art von Fliessband-Arbeit. Denker wurden selbst zu Machern, IT versucht zaubernd Schritt zu halten. Dabei blieb die Innovation mehr und mehr auf der Strecke, auch weil das Management, welches erfolgreich durch ein Geschäftsjahr navigieren muss, diese Prinzipien auf die Projektarbeit übertrugen. Viele gute Ideen, die Zeit zur Entfaltung bräuchten, wurden dabei im Keim erstickt. Stattdessen wurden - oft unbeabsichtigt - kontinuierliche Verbesserungen gefördert. Das haben kluge Unternehmer natürlich schnell gemerkt.

Innovationen müssen her!

Wenn das Filtern von Vorhaben aus Rendite- und Erlössicht nur noch zu Optimierungen führt, dann braucht es eine spezielle Förderung für neuartige Ideen, die Nutzen stiften. Innovation muss her, damit das Unternehmen auch morgen noch marktkräftig mitmischen kann. Lasst uns Innovationsmanagement machen.

Und damit wären wir wieder bei der Ausgangsfrage: Warum gelingen in erfolgreich gewachsenen Unternehmens-Organisationen selten Innovationen?

Vielleicht, weil sie versucht sind, zunehmende Komplexität, mit den Management-Werkzeugen aus dem 19. Jahrhundert zu bändigen? Wie wäre es Edison ergangen, der meinte er kenne jetzt 1000 Wege, wie man eine Glühbirne nicht baut, bevor er die erste kommerziell erfolgreich vermarktete? Wie weit wäre er gekommen, wenn er statt dem Experimenten mit Versuch und Irrtum lieber den Weg des Projekt-Portfolio- und Innovationsmanagements gegangen wäre?

Wie oben notiert, ist Planung ein bewährter Weg für einfache bis komplizierte Aufgaben. Derartiges kann man exzellent managen. Hingegen Neuland müssen wir uns Stück für Stück erarbeiten. Das braucht Neugier, Mut, Zusammenarbeit, Vertrauen, Zeit und es kostet auch ein wenig Geld, mindestens ein wenig "Arbeitskraft". Es mag nicht immer heute oder morgen zu vermarktbaren Erfolgen führen, aber insbesondere die Fehler und Irrtümer schaffen vielfältige Eindrücke und Erfahrungen sowie Freiraum für den Perspektivenwechsel.

Unverhofft kommt oft.

"Erfolg hat nur, wer etwas tut, während er auf den Erfolg wartet.", meinte Thomas A. Edison. Also legt los, ihr innovationsfreudigen KollegInnen. Und wenn ihr hinfallt, steht auf, rückt eure Krone wieder gerade und geht weiter. "Glück ist, was passiert, wenn Gelegenheit auf gute Vorbereitung trifft" (auch Edison). Momentan eröffnen sich – wie in jeder Krise – viele neue Gelegenheiten. Kennt ihr die Story von Kairos?