Manchmal plagen mich wilde Träume. Dann male ich mir aus, wie das früher in den Unternehmen so abgelaufen sein könnte. Furchtbar. Man glaubte, mit einer fundierten Planung als gesamte Organisation demnächst auf dem Mt. Everest zu lustwandeln, nachdem in einem gigantischen Vorhaben ganz nach Plan die Mitarbeiter da hochgekraxelt wären.

Wollt ihr mehr von diesem wilden Traum erfahren? Es fühlte sich so echt an: wir folgen dem Plan.

  

  

Heute schon geplant? Mal angenommen, der Plan funktioniert, wäre das dann nicht einsame Spitze?

Einsam. Ja, genau. Ziemlich einsam.

Ein Plan besteht doch eigentlich aus Annahmen. Im besten Fall können Erfahrungswerte einfliessen. Dann bleibt nur noch zu hoffen, dass das einmalige Vorhaben, dass gestartet werden soll, genauso abläuft, wie es der Erfahrene bereits in einem gleichen Vorhaben erlebt hat. Paradox, oder?

Kein Problem, wir können ja noch hochrechnen. Wir sammeln die vorhandenen Daten aus der Vergangenheit zusammen und ziehen die errechnete Trendlinie einfach für die ungewisse Zukunft hinaus. Wird schon.

Oh, wir haben keine Daten. Na ja, in dem Fall können wir noch würfeln.

Ah ... sechs, sechs ist gut.

Das nehmen wir.

Die Grundzutaten jeder Planung sind also Annahmen mit Erfahrungswerten und Hochrechnungen bzw. gewürfelte Werte. Das Vorhaben mag noch so komplex sein, mit Projektstrukturplan/WBS und Taskliste zwingen wir alles in eine tabellarische Ordnung, die systematisch abgearbeitet werden kann.

Akribisch sammeln wir Istwerte und notieren dann neue Planwerte.

Danach managen wir die Irrtümer.

Und weil das so schön ist, rechnen wir geschwind auch noch Kennzahlen. D. h., wir nehmen ein paar aus dem Kontext befreite und somit verzerrte Istdaten, generalisieren und verdichten sie noch ein wenig horizontal und/oder vertikal und verzieren dann am besten noch das Rechenergebnis mit einer schönen Matrix.

Oder wie wäre es mit Ampel?

Der Algorithmus sagt: 42. Ist das jetzt gut (grün) oder schlecht (rot)?

Mal sehen.

Die Hochrechnung sagte etwas anderes. Jetzt gibt es eine Abweichung. Nicht schön.

Moment mal, was ist denn da eigentlich abgewichen? Mal mindestens die Annahme vom Iststand. Aber was haben wir eigentlich gemessen?

Wir haben Apfelzählerkennzahlen und wir können sogar Äpfel mit Birnen vergleichen. Das sagt uns was zur Performance aus.

Glaubst Du nicht?

Doch geht: Ratio der Anzahl der Mitarbeiter, die heute schon agil gewesen sind, zur Anzahl der Mitarbeiter.

Mal sehen. Wir sind 5. Ok.

Meier! Heute schon agil gewesen? Ja? Super.

Schmidt! Nicht da? Auch fein.

Huber! Mach mal schnell was agiles! Klasse.

Perfektes Ergebnis: Zwei zu vier, der Agile Performance Indicator (API) ist 0.5! Sensationell.

Wie, es braucht einen Benchmark? Ach. Wozu denn?

Da wo wir sind, ist vorn. Von vier sind zwei bereits agil gewesen. Die anderen zwei halten wir mal als Puffer vor. Wer weiss, was mit der "API" noch so gemacht wird. Vielleicht werden diese API-Zahlen noch weiter verwurstet: pro Rolle, pro Geschäftseinheit, pro Prozess, pro Geschäftsjahr ... und zu guter letzt dann noch Soll-Werte gerechnet, in denen auch das allgemeine Wachstum berücksichtigt wird. Und danach werden Massnahmen geplant.

Und danach ... werde ich wach.

Das ist mir zu wild. In einer Welt, die quasi nur aus Standards besteht, in der also alles automatisierbar ist, wären die Pläne sicher sehr wirksam, um vorausschauend zu agieren. Allerdings regeln dann die Automaten auch praktischerweise das Planen gleich mit. Wir könnten derweil mit einem Kännchen Öl herumlaufen und ab und an einen Automaten tätscheln. Aber vorsichtig, sonst verrechnet sich das arme Ding noch. Und dann rechnet es und rechnet ...

Dingdong. 42!

Wird Zeit, sich wieder dem realen Vorhaben zu widmen. Hallo Kunde, wir sollten gleich nachher einen weiteren Prototypen schaffen, vielleicht kommen uns ein paar richtig gute neue Ideen. Irrtum eingeschlossen. Das finden wir dann beim Smoketest heraus. Dem was ...?

 

 


   

Sprechversuch für ein Tech-Blog-Experiment