Perspektivwechsel: Planwirtschaft

Wer auf Verschwörung hofft, wettet darauf, dass diese Welt simpel gestrickt ist. Und alles lässt sich mit ein wenig Nachdenken, Planen und Überwachen realisieren. Es ist halt kompliziert, aber machbar.
 
Offenbar sind Verschwörungsgläubige gar nicht so weit weg von den Planungswütigen. Beide Gruppen beten den grossen Plan an. Alles ist eine Frage von Talent, Aufwand und Zeit. Dieser Dreisatz steht in jedem Projektmanagementhandbuch.
 
Projektmanagement praktizierende haben früher oder später erfahren dürfen, dass Planung in Neuland-Themen mit absoluter Sicherheit den Zufall durch den Irrtum ersetzt. Es ist Neuland. Das ist wie Fahren im Nebel in unbekanntem Terrain.
 
Der eine vertraut auf seine Strassenkenntnisse ... wird schon! Wozu gibt es Navi! Der andere fährt auf Sicht. Eventuell gibt es ja doch die eine oder andere Überraschung.
 
Planung ist gut in Standardsituationen (die tausendste Prozessoptimierung, das hundertste Bauwerk, die zehnte Pandemie, ...). Es gibt reichlich Erfahrungswerte, möglichst verteilt auf Experten aus allen Fachgebieten.
 
Fehlen Erfahrungswerte, dann versagt auch klassisches Projektmanagement. In der Berechnung von Talent, Aufwand und Zeit mangelt es an Konstanten. Hochrechnungen werden dann gerne verwendet (hat bereits 7x funktioniert ...). Geht auch das nicht, dann hilft nur würfeln.
 
Es gibt erstaunlich viele Planer, die lieber würfeln, als in vielen kleinen Schritten erste Erfahrungswerte zu sammeln, um besser entscheiden zu können. Vielleicht ist das der Nährboden für Verschwörungsgläubige? Sie wollen auch mal den Würfel haben.